Lüge zum Kindermord

Ruin einer

Nach umfangreichen Ermittlungen musste sich Ofarim im November 2023 wegen Verleumdung und falscher Verdächtigung vor Gericht verantworten. Am sechsten Verhandlungstag gab er schließlich zu, den antisemitischen Vorfall erfunden zu haben und entschuldigte sich bei dem Hotelmitarbeiter. "Mich hat das sehr krank gemacht, ich will dahin auf keinen Fall wieder zurück", erklärt Ofarim nun im RTL-Interview am Rande des Videodrehs zu seinem Song "Korrektur der Zeit".

"Ich habe mich während des Prozesses nicht geäußert, meine Anwälte haben mir geraten, nicht auszusagen, um mich nicht angreifbar zu machen. Das Einzige, was ich gesagt habe, waren drei Sätze", so der Sänger. Drei Sätze, die seitdem Ofarims Leben überschatten: "Die Vorwürfe treffen zu. Ich möchte mich bei Ihnen entschuldigen. Es tut mir leid."

     

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"Ruin meiner Karriere"

"Und dann war es vorbei. Ich habe die Schuld auf mich genommen, um dem ein Ende zu setzen, ich war nicht mehr fähig, weiterzumachen. Weder mental noch … Es ging nicht mehr, ich konnte nicht mehr", offenbart Ofarim rückblickend. Angeblich hätten seine Anwälte ihn dazu gedrängt, sagt der Sänger. Zudem seien ein Prozess und der juristische Beistand teuer. Durch das Geständnis sei der Prozess sofort beendet gewesen. Das Verfahren wurde damals gegen eine Geldauflage eingestellt. Ofarim sollte 10.000 Euro an die Israelitische Religionsgemeinde zu Leipzig und an den Trägerverein des Hauses der Wannseekonferenz zahlen.

Die "ganze Zeit" sei ein Tiefpunkt gewesen, erinnert sich der 42-Jährige an die Bilder von damals, die ihm beim Interview erneut durch den Kopf gehen. "Mir war bewusst, dass mit der Entscheidung, die ich getroffen habe, womöglich meine gesamte Karriere, alles, was ich bisher erreicht habe und gemacht habe in meinem Leben, nicht nur vergessen sein wird. Sondern, dass ich letztendlich auch vor dem Ruin meiner Karriere stehe. Aber ich habe die Schuld auf mich genommen, um all dem ein Ende zu setzen."

Was er damit genau sagen will, lässt Raum für Spekulationen. Hat Ofarim eine Lüge zugegeben, damit der Prozess schnell vorbei ist? Oder hat er die Schuld für eine Lüge auf sich genommen, die möglicherweise doch gar keine war?

Posttraumatische Belastungsstörungen

"Das Video war der größte Fehler meines Lebens", räumt Ofarim jetzt im Interview mit RTL und "stern" ein. "Man kann nichts ändern, man kann nichts zurückdrehen. Aber ich werde mich öffentlich nicht mehr großartig zu irgendwelchen politischen Themen oder irgendwelchen Sachen äußern, denn es ist ein sehr schmaler Grat", sagt er.

Wie "stern" in seiner aktuellen Ausgabe schreibt, war er im Anschluss an den Prozess acht Monate wegen posttraumatischer Belastungsstörungen und Alkoholproblemen in einer Tagesklinik. Im vergangenen November hatte der Sänger bereits in einem Instagram-Video erklärt, dass er sich professionelle Hilfe gesucht habe und nicht mehr trinke.

     

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"25 Kilo leichter und ohne einen Tropfen Alkohol sieht man die Dinge viel klarer und schaut sich selber genauer an, auch wenn einem nicht immer gefällt, was man sieht", sagte Ofarim da. "Es ist ein langer Weg, Vertrauen und Respekt wieder aufzubauen. Ob mir das gelingt, weiß ich nicht. Aber ich möchte den Versuch unternehmen, euch und mein Leben wieder zurückzugewinnen", fuhr er fort.

Im April gibt Gil Ofarim in Bochum sein erstes Konzert nach dem Antisemitismus-Skandal. Er möchte zurück in sein Musiker-Leben und damit auch endlich wieder Geld verdienen.

Quelle: ntv.de, csp



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